Du hast ein Leben – immer nur im Urlaub

Seit Ewigkeiten höre ich diesen Satz und darum möchte ich euch heute mal einen meiner typischen „Urlaubstage“ der letzten Jahre vorstellen! 😉

Ich kann mich noch erinnern, als ich in den 80er- 90er öfters nach Australien und später dann mehrmals jährlich nach Spanien musste. Ob meine Eltern oder meine Geschwister, ob Freunde oder Fremde, ständig kam dann “ wie, du fährst schon wieder in Urlaub?“

Digital StillCamera

Und heute? Genau das gleiche! 😉

Hey, im Winter, bei diesem Wetter, kann ich hier ja wohl mit Gleitschirmfliegen kein Geld verdienen 😉 Also muss ich irgendwo hin, wo die Sonne scheint und die Wiesen saftig sind um mich zu ernähren. 🙂 Mein Leben war eigentlich schon immer so, wie ein Beduine, wie ein Nomade, bin ich durch die Welt gezogen und hab mir grüne Wiesen gesucht. Tja, und wie das so ist wenn man im Tourismus arbeitet… man ist nun mal in Destinationen unterwegs in denen andere Urlaub machen.

Ihr Lieben, Urlaub bedeutet doch in erster Linie mal, das man nichts arbeiten muss, dass man entspannen kann, dass man etwas machen kann wozu man Lust und Laune hat und nichts machen muss, wozu man keinen Lust hat! Oder?

Es wäre darum schön, wenn wir uns zukünftig darauf einigen könnten, dass ich viel unterwegs bin, aber nicht im Urlaub! 😉

Denn Urlaub habe ich garantiert nicht, da ich nach wie vor jeden Tag arbeite, und ich auch nach wie vor weder Wochenenden noch Feiertage kenne! Ja, ich arbeite genauso wie jeder andere von euch, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen! Nur anders, unterwegs!

Genauso war es früher auch, wenn ich dann mal wieder „im Urlaub“ war. Von den Gästen kamen dann immer solche Sprüche wie “ du hast es gut, du bist immer hier“ oder „so wie du arbeitest würde ich gerne mal Urlaub machen“! Na dann….

Darum hier mal ein Beispiel, wie früher so ein typischer „Urlaubstag“ von mir aussah 😉

8 Uhr

An der Basis sein, schauen das alles gut vorbereitet wird, das die Boote sauber und bereit sind, das die Gäste freundlich begrüsst und die Ausrüstung pünktlich auf’s Boot gebracht wird.

Einer hat wohl schlecht geschlafen, der andere hat ne Ausrede warum er heut nicht kann, und wieder ein anderer beschwert sich weil er nicht einsieht das ein anderer weniger macht als er. Also zwischendrin schnell umorganisieren und versuchen einwenig zu beruhigen und zu schlichten. Und das vorm Frühstück. 😉

Jetzt kommt der eine Gast und beschwert sich, das er an dem Tauchplatz schon mal war, und ein anderer findet es gar nicht gut das sein Lieblingsguide heute nicht auf dem Schiff ist.  Ok, das sind Gäste und die zahlen letztendlich nun mal unsere Gehalt. Ich habe zwar noch keinen Kaffe und auch nichts gefrühstückt, aber dank jahrelanger Routine krieg ich das dann auch noch nett und freundlich irgendwie hin, dass die Gäste zufrieden auf’s Boot gehen.

9 Uhr

Die Boote fahren raus, alle sind happy und ich kann jetzt erstmal Frühstücken. Aber schnell, denn um 10 muss alles tip top vorbereitet sein für die Hausrifftaucher.

Beim Frühstück steht ich dann erstmal in der Schlange am Buffet, um ein paar Spiegeleier  zu bekommen. Die Jungs kennen mich natürlich und reichen mir irgendwann einen Teller mit zwei Eiern rüber. Jetzt kackt gleich der erste Gast, was das soll, er stehe schliesslich vor mir. Ich erkläre ihm nett das ich hier arbeite und nur kurz Zeit habe um zu Frühstücken. Das interessiert ihn allerdings nicht denn schliesslich sei er hier zahlender Gast, erklärt er mir mit leicht erhobener Stimme. Nun bekommt er auch noch Zuspruch von ein paar anderen Schlangestehern und ich entschuldige mich freundlich und setze mich an einen leeren Tisch.

Kaum sitze ich da, kommt der erste und fragt: sie sind doch von der Tauchschule, ich hab da mal ne Frage. Hm, ich wollte eigentlich Frühstücken, aber naja, ist halt ein Gast und ich lächle ihn nett an mit den Worten “ Gerne“ 😉

Er setzt sich natürlich gleich zu mir an den Tisch und während ich seine Fragen beantworte kann ich zumindest schnell meinen Magen etwas füllen 🙂

10 Uhr 

Kaum bin ich wieder an er Tauchbasis kommen die Mädels vom Counter auf mich zu und sagen das die Bootsliste von gestern unstimmig ist, und ich müsse das gleich mal kontrollieren. Und dann war noch jemand vom Accounting da, und fragt warum wir die Wasser und Stromrechnung noch nicht bezahlt haben. Äh… ja, machen wir, wenn sie uns eine Rechnung geben. Ja, hab ich ihm gesagt, er meinte die kriegen wir später, weil sie momentan kein Druckerpapier haben 🙂 Naja und so gehts dann weiter.

11 Uhr

Die ersten Hausrifftaucher sind eingetroffen, die Wiederholungsgäste erwarten natürlich das man sie gebührend empfängt, und diejenigen die zum ersten mal da sind finden es gar nicht gut das man sich so nett um die Repeater kümmert, denn schliesslich zahlen sie ja auch. Nicht immer einfach, das Spagat hinzubekommen, vor allem wenn man personell grad etwas unterbesetzt ist. Aber auch das bekommen wir hin!

Jetzt kommt dann auch noch einer vom Hotelmanagement, ist wohl gelangweilt und möchte sich seine morgendliche Dosis an Anerkennung abholen und etwas gebauchpinselt werden. Tee oder Kaffe?  Ja, alles super! Ja, die neue Animationsshow am Abend ist wirklich gut! Ja, das neue Bild in der Rezeption ist sehr schön! Ja, ihr macht alle einen ganz tollen Job.

Das die Gäste pissig sind, weil die Show mit einer wahnsinnigen Lautstärke bis Nachts um 12 andauert, sag ich ihm jetzt besser nicht. Muss warten bis ich einen besseren Zeitpunkt erwische und dann versuchen es ihm schonend beizubringen, ohne sein Selbstwertgefühl, sorry, seinen Stolz zu verletzen 😉

12 Uhr

Mittagspause. Ist nichts anderes als beimFrühstück: du freust dich auf die Pause, aber eigentlich weisst du ja, das du nicht in Ruhe essen kannst, weil irgendeiner hat garantiert ne Frage, und da du jetzt eh grad hier sitzest….  Naja, während den Öffnungszeiten, bei 40 Grad im Schatten, kurz vom Strand zur Tauchbasis zu gehen um eine Information zu erhalten kann man ja auch einem Gast nicht wirklich zumuten 😀

13 – 18 Uhr

Eigentlich würde ich auch gerne mal wieder tauchen gehen, einwenig Pressluft schnuppern und die Seele baumeln lassen

Naja, ich lass das jetzt mal aus, denke ihr könnt euch jetzt schon etwas besser vorstellen, wie so ein ganz gewöhnlicher Nachmittag an einem meiner Urlaubstage aussah 🙂 Wer aber jetzt denk, ich hätte um 18 Uhr Feierabend, Nein, hatte ich nicht.

18 Uhr

Staff Meeting, neu einnorden, motivieren, bedanken, loben oder Weiterbildung anbieten, denn schliesslich schläft die Konkurrenz auch nicht 😉

Ok, der Neue, der meinte er könne etwas stänkern, da er Anspruch hätte während der Arbeitszeit zu beten. Hm, er meinte wohl er wäre, anders als die anderen, ein viel bessere Moslem. Sagte er zumindest. Naja, er hat mal eben schnell vom Personal erklärt bekommen das die Nummer bei mir nicht zieht, da ich den Koran besser kennen würde als die meisten Locals.  Die Diskussion wurde mir also vom Personal erspart!

Eines möchte ich hier darum noch betonen, unser Staff, unser Personal war immer top, gut geschult und hatte eine kundenorientierte Einstellung und Arbeitsweise. Klar, jeder hat auch mal einen schlechten Tag, aber generell hatten wir gute Teams! Und eine Tauchbasis funktioniert immer nur, ausschliesslich mit einem guten Team!

19 Uhr

Abendessen, same procedure wie morgens und mittags. Hören sie mal, ich hab da mal ne Frage,  kann man nicht etwas am Preis machen?  Müssen die anderen ja auch nicht erfahren und ich sag’s auch nicht weiter, und und und 😉

20 Uhr

Endlich, ich sitze auf der Terrasse vor der Bar und möchte jetzt einfach mal in Ruhe einen guten türkisch Kaffe oder ein Glas Tee geniessen und in Ruhe eine Zigarette rauchen.

Oh man, hab ich ganz vergessen, der Reiseleiter von Super Travel ist ja da und will nochmal etwas nachverhandeln, Denn er von einem Gast gehört hat, auf einer anderen Tauchbasis sind die Softtrinks auf dem Boot frei.

Ok, kriege ich hin, seine Gäste bekommen ab sofort einen Softtrink, (für nen halben Cent im Ek) nach dem Tauchgang gratis und er kann erhobenen Hauptes ins Bett gehen 😉

22 Uhr

img_2221Termin mit dem Coast Guard Chef in seinem Office. Hm, ist natürlich noch nicht da, kommt aber bestimmt gleich.

23 Uhr

Der Gorilla trifft ein, sein Personal huldigt ihm und wirft sich ihm fast zu Füssen, er schreitet mit geschwollener Brust auf mich zu und lächelt mich freundlich an, mit den Worten “ my Friend, nice to see you“

Wir gehen in sein Office, naja und da wir in der arabischen Welt sind kommen wir natürlich nicht gleich zum Punkt. Er macht erstmal seinen Fernseher an, schreit durch die geschlossenen Tür wo sein Tee bleibt, ich bekomme natürlich auch einen, und er erzählt mir erstmal die neuesten Witze die er gehört hat.

Dann fängt er mit trauriger Mine an zu klagen, wie schlecht es ihm doch geht, und er brauche dringend meine Hilfe. Ja, war mir klar das er Kohle will, gibt ja schliesslich keinen anderen Grund warum sie einen zu sich bestellen 😉

Ok, er braucht neue Reifen für sein Auto. Und ja, das wir ja eigentlich keine Genehmigung für den bereits 20 Jahre alten Jetty haben, hat er natürlich auch erst noch kurz erwähnt. Und das wir ja Freunde sind, und das wir ja alle zusammenhalten müssen, und das ich ja für ihn wie Familie bin und und und.

Hey, ich bin müde, aber ich kann ihm jetzt nicht einfach schnell die Zusage für die 80€ für seine Reifen geben. Denn dann hat er das Gefühl er hätte zu wenig gefordert und beim nächsten mal will er dann ein ganzes Auto 😀

Also muss ich jetzt erstmal einwenig klagen, wie schlecht unser Geschäft läuft, wie hoch die Kosten mittlerweile sind aber ich ihm ja selbstverständlich, wirklich, sehr gerne, helfen möchte, weil, wir sind ja wie eine Familie 🙂

Ok, nach langen hin und her gebe ich ihm dann die Zusage für seine Reifen, aber nicht ohne einen extra Gegenleistung von ihm zu verlangen 😉

1 Uhr

Ich falle ins Bett, bin tot Müde kann aber nicht schlafen, weil mein kleines Hirn nicht zur Ruhe kommt.  Denn morgen kommt unser Big Boss. Er hat mal wieder die Miete der letzten Monate nicht überwiesen und das Hotel hat diesbezüglich um ein ernsthaftes Gespräch gebeten. Naja, und was glaubt ihr wer jetzt auch das noch zwischen drinnen irgendwie hinbekommen soll? Wer für ihn mal wieder die Kohlen aus dem Feuer holen soll?

Genau, der, der ja eh immer nur im Urlaub ist! 🙂

Naja, und nächste Woche ist dann Tee trinken mit der Tourist Police und dem Labor Office angesagt, denn wir haben mal wieder zu wenig Arbeitsgenehmigungen und das wird „eigentlich“ recht teuer! Aber, hey, wir sind in Ägypten, und mit Tee trinken, ein paar Witzen und etwas Geld lässt sich sicherlich auch dieses Problem lösen. 😉

Und  dann geht’s auf die nächste Tauchbasis, denn wir hatten ja nicht nur eine und das ganze geht von vorne los!

Tja, 25 Jahre lang habe ich also so „Urlaub“ gemacht!

Und  nun? Will immer noch jemand tauschen?

Hey, ich beschwer mich nicht, denn dafür wurde ich letztendlich bezahlt, dass ich Feuerwehrmann spiele, dass die Basen schwarze Zahlen schreiben, die Gäste zufrieden sind, ich auch mal beim Personal der Buhmann bin, dass bei meinem Big Boss das Telefon nicht klingelt und auch, dass ich mir hin und wieder mal für ihn die Finger verbrenne, damit er letztendlich in der Öffentlichkeit gut dasteht.

Naja, aber über eines sind wir uns nun sicherlich einig: Urlaub sieht anders aus 😉

So, das wollte ich einfach nur mal loswerden, mal klarstellen. Und wenn jetzt noch die Tourismusmitarbeiter zukünftig in Ruhe essen können, dann hat es sich die Schreiberei  schon gelohnt 😎😄

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6 Kommentare zu “Du hast ein Leben – immer nur im Urlaub

  1. Neiaberau, mein Lieber! Wie Mann sich bettet, so liegt Mann! Dieses Sprichwort kam mir in den Sinn, als ich Deinen Tagesablauf lesen durfte.
    Herzliche Grüsse aus der Innerschweiz, Isidor, der auch mit 62 Jahren noch immer gerne arbeitet!

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  2. Schade, dass man sich immer erklären muss, wenn man ein Leben als kariertes Maiglöckchen führt. Dabei gibt es soviele davon- nur leider nicht für diejenigen, die es nicht schaffen, über den eigenen Tellerrand zu schauen 😉
    Ach so, übrigens gehört jede „Gattung“ Selbstständige(r) auch zur Gruppe der karierten Maiglöckchen. Schliesslich kann man ja arbeizen, wann und wie man möchte 🤣

    Gefällt 2 Personen

  3. Hallo Göldi, bei wehm must Du dich den eigenlich Entschuldigen  . LG aus Spanien Ulli und Martina 

    Von meinem Samsung Galaxy Smartphone gesendet.

    Entschuldigen? Bei niemanden!
    Ich wollte das einfach nur mal loswerden, mal klarstellen. Und wenn dann noch die Tourismusmitarbeiter zukünftig in Ruhe essen können, hat es sich schon gelohnt 😎😄

    Gefällt 1 Person

  4. Hey Göldi, danke für die Auflklärung, Du Globetrotter.Ich hoffe, Deinem Kiefer geht’s wieder besser aber Deine Füße sind gut auf siegerländer Boden. 😛
    Wann immer Du dort arbeitest, wo andere Urlaub machen, ist das so. Und im Tourismus nochmal krasser, ich kann gut verstehen, dass Dir das irgendwann reichte. Lass es Dir und Stephie gut gehen, ich komm die Tage mal um die Ecke – obwohl ich nur gegen wirklich gute Gründe Andalusien gegen Sauerland im Februar tausche, 😉

    Gefällt 1 Person

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