Hauptsache es wird nach dem tauchen ein weisser Bademantel gereicht! Da

„Der Anfang“

Sodale, ich fange dann mal mit meiner Jugend und meine ersten Taucherlebnisse an!

Ich muss schon ganz vorne anfangen, denn meine Abenteuerlúst hat wohl ihre Wurzeln in meiner Kindheit 😉 Wie bei vielen anderen Nachkriegskinder so waren auch meine Eltern nicht grade mit Reichtum gesegnet! Mein ganzer Stolz, bzw. der meines Vaters, war damals jedenfalls unsere Märklin Eisenbahn 😉

Papa,Märklin

Naja, und sonst hingen wir Kinder meist im Wald und auf der Strasse ab, spielten Fussball, verstecken, jagen oder „Klingelmänchen“, wir  bauten „Buden“ im Wald und gründeten „Banden“ 😉 Bis auf den Sommer, denn dann hingen wir alle täglich im Freibad rum!

Nein, kein Freibad wie man es heute kennt, sondern eines mit Wasser aus einem angrenzenden Bach, also ohne Chlor und Heizung, mit einer Sichtweite von um ca 1m und einer durchschnittlichen Wassertemperatur von vielleicht 18 Grad 😉

Angeregt durch Filme von Jacques-Yves Cousteau und Hans Hass, den ich in meinem späteren Leben sogar noch persönlich kennenlernen durfte, war in mir schon sehr früh die Lust unter Wasser zu gehen erwacht. Wann immer es möglich war habe ich in unserem Freibad, in einem kleinen Ort im Siegerland, die Gelegenheit genutzt und Streckentauchen geübt. Später haben sich meine Vater und Freunde von ihm einen Spass, und mir eine Freude, daraus gemacht, 20 Pfennig ins ca 3m tiefe Wasser zu schmeissen, mit den Worten: wenn du sie findest darfst du sie behalten! Natürlich wussten sie das ich sie finde und mir anschliessend ein Eis dafür kaufen konnte, aber dazu war ich manchmal mehre Minuten unter Wasser, was sie wohl einfach toll fanden 😉

In meiner Jugend hatte ich dann wohl erstmal andere Interessen, die eher weiblicher Natur waren, und das „Tauchen“ wurde so erstmal zur Nebensache! 😉

Bis ich dann, ich war mittlerweile etwas über 20, auf einem längeren „Selbstfindungstrip“, ich nenne es jetzt einfach mal so da mich diese Zeit sehr viel gelehrt hat, ca ein Jahr lang per Anhalter (getrampt hat man es früher genannt) in Spanien und Marokko unterwegs war.

Volkmar_Spain

Das in dieser Zeit das Ged logischerweise recht knapp bei mir war muss ich wohl nicht weiter erwähnen und so kam mir der Gedanke mir doch das Essen aus dem Meer zu besorgen. Denn lange genug unter Wasser bleiben konnte ich ja nun mal, das wusste ich noch aus meiner Kindheit. Naja, lange Rede kurzer Sinn, so habe ich dann ein paar Peseten in einen Speer investiert um mich fortan mit frischem Fisch aus dem Mittelmeer zu versorgen, den ich dann anschliessend am Strand über einem kleinen Feuer zubereiten konnte. Wie man Fische ausnimmt und zubereitet wusste damals ja eh jedes Kind bei uns!

Allerdings war es bis dahin ein weiter Weg, denn ich hatte mir das ganze viel einfacher vorgestellt 😉 Mein erstes Lebewesen, das ich im Mittelmeer unter Wasser gesehen habe, werde ich auch nie vergessen, da es mich nicht nur faszinierte sondern auch mega erschreckt hat. Und zwar ein Oktopus, der auf der Flucht vor mir seine Tinte ins Wasser gesprüht hat! 😉

Und by the way,  eines habe ich auf diesem Tripp auch gelernt, endlose Freiheit ohne Geld gibt es nicht, ist unmöglich, weshalb ich dann irgendwann wieder zurück nach Deutschland „getrampt“ bin! Um Geld zu verdienen!  😉

Kurz darauf hat es mich dann beruflich nach Australien verschlagen und da das Speerfishing hier absoluter Trend war habe ich mich gleich einigen Gleichgesinnten angeschlossen und so sehr viele darüber gelernt. Selbst kiloweise Abalones haben wir oft gleich am Strand aus dem Wasser geholt und uns daran satt gegessen. Und die kosteten damals schon ein Vermögen wenn man sie kaufen wollte. 😉

Volkmarspeerausi

Tja, und bei einem unsere Speerfishingtrips hatte ich dann auch meine erste Begegnung mit einem Hai, einem grossen Hai, der wohl durch die gefangenen Fische in unseren Netzen, welche wir in alten aufgeblasenen Autoreifen hinter uns herzogen, angelockt wurde!! Diese Erlebnis werde ich niemals vergessen, denn noch niemals zuvor hat mich ein Lebewesen so fasziniert! Seine grazilen Bewegungen, seine schnellen, präzisen Wendungen, einfach alles hat mich in seinen Bann gezogen! Tja, und das war es dann was mich letztendlich dazu bewegt hat mich nach „Flaschentauchen“ zu erkundigen, was ja in der Szene eigentlich als uncool galt!

Schnell habe ich eine Tauchbasis gefunden bei der ich eine Ausbildung absolvieren konnte und so hat dann eine neue Lebensphase begonnen, in der Tauchen der wichtigste Lebensinhalt für mich wurde und bis heute ist! Ok, bis auf meine Kinder natürlich! 😉 Die Möglichkeit nun wirklich tief und lange in die Unterwasserwelt einzutauchen hat mich so sehr begeistert, dass ich eigentlich nur noch im Wasser war, an sämtlichen Weiterbildungen teilgenommen habe die mir zur Verfügung standen und ich letztendlich sogar meinen damaligen Job, in dem ich wirklich sehr leicht, gutes Geld verdiente, an den Nägel gehängt habe. Denn ich habe damals für mich festgestellt das Geld nun mal auch nicht alles ist!  Tauchen war für mich einfach mein Lebensinhalt, ein unendliches Abenteuer mit dem ich nun auch noch „überleben“ konnte, und das war es was ich wollte, mehr nicht!

Volkmar, Dive, Maldives

Tauchen war für mich Faszination, Mystik, und die Unterwasserwelt zu entdecken, das war für mich ein Gefühl das kann ich einfach nicht beschreiben. Mein ersten Erfahrungen als Diveguide habe ich damals übrigens in Australien gesammelt, genaugenommen in Jervis Bay, Forsters und Merimbula und als „Ersatzguide“ für deutsche Gäste auf einem Safarischiff von Bike Ball!

Volkmar Jervis Bay

Im Mittelmeer oder auch im Roten Meer sind wir damals noch mit kleinen Booten auf’s Meer rausgefahren und oft einfach irgendwo reingesprungen, ohne Briefing! 😉 Der einzige Service den es damals am Mittelmeer gab, war Flaschenservice! Sprich, der Service bestand darin das man seine Flasche irgendwo hinbringen konnte, wo sie gefüllt wurde. Nein, nicht jetzt, sofort, manchmal auch erst morgen 😉 Aber zumindest konnten man dadurch schon mal seinen transportablen Kompressor, zb einen Bauer Utilus oder wie ich, seinen Capitano zu Hause lassen, den übrigens sehr viel Taucher damals besassen, genauso wie ein Schlauboot mit einem Aussenborder! 😉

Ende der 80er oder Anfang der 90er, ich weiss es nicht mehr so genau, bin ich dann mit einem der erste zweimotorigen Schiffe, der Prinz Awad 2, als Guide in Richtung Süden gefahren und habe Riffe wie Rocky Island, Deadalus usw. betaucht, Riffe an denen ich noch niemals zu vor war, Riffe von denen es auch kaum Informationen gab, und das mit bis zu 15 Tauchern im Schlepptau! Aber zu dieser Zeit war das auch kein Problem, denn die Taucher die in den 80er und anfangs 90er ausgebildet wurde, die konnten tauchen! 😉

Das Leben als Safariguide war damals echt hart! 😀

Volkmar_Safari

Frischwasser war damals Mangelware auf Safarischiffen und wurde streng rationiert so dass jeder maximal einmal abends kurz duschen konnte! Toiletten gab es meist nur eine, max zwei, oben an Deck, in den Duschen 😉 Ach ja, und Kühlschranke oder Gefriertruhen gab es auch keine auf dem Boot, zumindest keine grossen, weshalb wir damals unsere Nahrung meist unterwegs fangen mussten. Klar hat das meist die Crew übernommen, während wir unter Wasser waren oder die Tauchplätze gewechselt haben! Aber ja, wir haben auch nachts Calamaris hinter dem Boot gefischt und gleich in heissem Fett frisch zubereitet! Und ja, wir haben auch mal Langusten mit aus dem Wasser genommen, und ja wir haben auch mal nachts Haie geangelt, denn Haisteak schmeckt gar nicht mal schlecht! Und Haie gab es damals nicht nur im südlichen Roten Meer noch so viel, das es fast unmöglich war einen Tauchgang ohne sie zu organisieren!

Ich habe erst gezögert, das mit den Haien hier zu erwähnen, aber es war nun mal so. Punkt! Selbstverständlich sehe ich das heute auch ganz anders und mir kommen die Tränen wenn ich heutzutage Videos sehe, die Kollegen von mir in Tauchgebieten aufgenommen haben, in denen gefinnte Haie lebend zurück ins Meer geworfen werden! Aber es war damals halt ein andere Zeit und wir hatten nun mal nicht das Wissen das wir heute haben! Man möge es uns verzeihen!

Wir hatten damals zwar auch einen kleinen Kühlschrank auf dem Boot, mit etwas Fleisch und Hähnchen, aber die Taucher  freuten sich damals viel mehr auf frischen Fisch, so dass am ende einer Safari meist der ganze Vorrat noch übrig war. Was unsere lokale Crew natürlich freute, da sie es anschliessend mit nach Hause, zu ihren Familien nehmen konnten. Denn Fleisch war auch damals schor recht teuer in Ägypten!

Aber auch bei uns zu Hause, im Süsswasser, gingen wir damals mindestens jedes Wochenende tauchen, nur eine handbreit Wasser über dem Kopf, einfach nur zu schweben, das war es was uns alle damals am tauchen so begeistert hat, denn es war für uns Entspannung pur. Gleichzeitig bleiben wir so natürlich immer in  Übung und fit.

Sorry, ich mach dann hier erstmal schluss denn es ist schon recht spät, ich habe beim schreiben wohl die Zeit vergessen 😉  Wie ihr aber seht, waren wir Jedenfalls zu dieser Zeit noch weit entfernt von den „Tauchscheinebsitzern“ die Wert darauf legen mit hydraulischen Hebebühnen ins Wasser und wieder rausgeholt zu werden, sowie einen weissen Bademantel nach dem Tauchgang erwarten! 😀

4 Kommentare zu “Hauptsache es wird nach dem tauchen ein weisser Bademantel gereicht! Da

  1. Lieber Goeldi,
    gerade bin ich, von Dir selbst angeregt, auf Deinen Blog gestoßen, zum ersten Mal!
    Auch ich tauche sehr gerne seit 15 Jahren, bin Übungsleiterin vom VDST. Ich glaube ich kann Dich sehr gut verstehen und würde selbst sehr gerne solche Abenteuertauchgänge in unberührter Landschaft unternehmen.
    Der Tauchtourismus kann einem die Freude am Tauchen wirklich verderben.
    Allerdings fehlten mir bisher dazu Zeit und die geeignetenTauchpartner. In meiner momentanen Lebenssituation ist das allerdings vorstellbar. Mal sehen was daraus wird.
    Vielleicht treffen wir uns ja mal irgendwo auf dieser Welt!

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  2. Goeldi, wegen dir habe ich gerade eine Verabredung verpasst😁. Dieser Bericht ist wirklich super.ich bin zwar PADI Instructor, aber sicherlich keiner der Brevets verschenkt. Dazu war meine Ausbildung zu langwierig. Mein Ausbilder war Farid von Blue Water Diving Resort. Vielleicht kennst du ihn ja. Anyway was du schreibst, ist größtenteils wohl das Dilemma der TauchINDUSTRIE. Es wurde im Laufe der Zeit immer nur noch auf den schnellen Euro geschaut. Ich finde es manchmal auch echt scheisse, wie wenig Zeit man für tauchschüler hat und am meisten nervt mich das online lernen. Ich kann die Schüler kaum noch mit meinem Theorie wissen bereichern. Vielleicht ist es an der Zeit über ein Crossover zu SSI nachzudenken. Danke für den Rückblick deiner Tauchkarriere, ich finde es immer sehr spannend Spass zu lesen. Live wäre es sicherlich noch interessanter. Ps: die Dame ist es gewillt mich übermorgen nochmal zu treffen😅

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    • Freut mich wenn er dir gefallen hat 😉
      Tja, wie du sagst weisst du es ja aus eigener Erfahrung und kannst so das eine oder andere darum ja auch bestätigen oder zumindest gut nachvollziehen. Ja, du guten alten Zeiten, geil war’s, wirklich schön! Aber es liegt wohl am laufe der Zeit das der Kommerz irgendwann immer überhand gewinnt und es letztendlich den meisten nur noch darum gehet: ja, hab ich auch schon mal gemacht. Heute Tauchen, morgen Ski fahren und übermorgen Gleitschirmfliegen oder Golfen, einfach konsumieren ohne zu spüren, zu fühlen oder die Selle dabei einwenig surfen zu lassen.

      Ja, Farid habe ich ganz am Anfang seiner Karriere mal kurz bei James& Mac kennengelernt und was ich so höre scheint er einen guten Job zu machen.
      Eventuell trifft man sich ja mal, so zu einem Live Chat, wer immer du auch bist 😉

      Lieben Gruss
      Göldi

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      • Das Stimmt. Wenn man sich mal so umhört was die Leute alles so machen. Für Facebook, Instagram usw vielleicht, aber nicht für sich selbst. Hauptsache man ist immer Hip. Aber es gibt auch einige schöne Erfahrungen die ich mache. Das ist die eigentliche Belohnung in diesem Job (den ich nur als Hobby betreibe, denn Leben kann ich in Deutschland davon nicht) . Farid hat mir ganz schön den Kopf gewaschen damals und wir hatten zwischendurch echt Probleme miteinander. Aber mittlerweile weiß ich seine harte Schule zu schätzen. Ich werde mich demnächst mal richtig auf meinem Blog vorstellen. Wird langsam Zeit. Schön das du geantwortet hast, das spricht wirklich für dich. LG und schönen Abend noch. Nils aus Hamburg

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