Wenn dir deine Selbstsicherheit zum Verhängnis wird!

Erst neulich habe ich ja mal auf die Gefahren, vor allem in fremden Gebieten hingewiesen. Einfach nur, um mal wieder etwas zum nachdenken anzuregen.

Hierbei kam dann von einigen die Kritik, ich solle doch mal Beispiele bringen, Unfälle beschreiben. Wie ihr wisst habe ich das abgelehnt, denn ich habe keinerlei Motivation, auch noch detailliert über die Fehler und Unfälle anderer zu schreiben, denn es ist schlimm genug dass sie ihnen passiert sind.

Aber über einen meiner Fehler, ja, darüber schreibe ich jetzt mal etwas, denn schliesslich stelle ich damit keinen anderen bloss, sondern wenn, dann nur mich.

Also, worum geht’s?

Eigentlich bin ich an diesem Tag nur nach Almuñecar gefahren, da ich eh nach Salobreña zum einkaufen wollte. Und der Fliegertreff beim TAO liegt nicht nur auf dem Weg, sondern hier trifft man momentan auch immer nette Piloten und hat gute Gespräche.

Auf einmal hiess es, kommt, lasst uns nen Gleitflug vom Itrabo machen, bevor’s anfängt zu regnen.  Ok, dachte ich mir, bevor du jetzt die nächsten Tage nur rumhängst, ein Gleitflug ist immer noch besser als gar nichts. Ich also schnell meinen Schirm aus dem Wohnmobil geholt, bei Arno ins Auto geworfen und dann ging’s auch gleich los.

Oh man, am Startplatz angekommen war mir erstmal mega übel von der Auffahrt, aber ok, Arno muss halt mit Speed um die engen Kurven fahren, sonst bleibt er bei der Steigung halt hängen.

Hier oben sah’s jedenfalls ganz anders aus als wir unten am Strand vermutet hatten, und das Thema Gleitflug hatte sich gleich erledigt. Hier oben war teilweise mehr als 20er Wind, aus West, und böig.

Als erstes machte sich Uwe fertig, um mal den neuen SWING Helios zu testen, den Kalle neben einigen anderen mit dabei hatte. Als zweites ging dann Mayer raus und die beiden wurden auch gleich hoch getragen und konnten an der Kante hier oben recht gut soaren. Klar, bei dem Wind.

Gerd, Kalle und ich haben uns darum auch gleich fertig gemacht und jetzt kommt eine Verkettung, die wie schon in meiner vorherigen Story geschrieben, durch einen einzigen, einen dummen Fehler bei solchen Bedingungen hätte böse ausgehen können. Sehr böse! Gott sei dank aber hatte ich Glück! Und es war wirklich nur Glück! 

Wer mich kennt, weiss dass ich mir um’s starten meist keine Gedanken mache, da meine Psychomotorik recht gut passt. So auch heute, ich hab mir einfach keine Gedanken um’s starten gemacht sondern war gedanklich schon in der Luft. Das ich meine Leinen und Ohren vorher gecheckt habe, sie also frei sind, versteht sich von selbst. Der Wind allerdings hat immer wieder mal den Schirm angelupft, und… tja, da hat die Misere wohl angefangen.

Ich lupf also meinen Schirm kurz an, der schiesst bei diesem Wind natürlich entsprechend schnell nach oben, und ich sehe, ich habe von mir aus rechts, einen Verhänger. Ohne nachzudenken greife ich nach oben, an die Stabilo Leine, um ihn zu lösen. Ziehe dabei aber wohl gering die Bremse, oder zu feste an der Stabi Leine, oder es erwischt mich eine Böe, ich weiß es nicht genau, da es mich auch noch ausgehebelt hat. Jedenfalls ging’s auf einmal verdammt schnell, denn bei dem starken Wind reichte es aus, damit der Schirm etwas quer ging und er dann blitzschnell eine solche Dynamik entwickelte, dass ich schon bei dem Gedanken die C Gurte runterzuziehen auf dem Boden lag und quer über den Startplatz gezogen wurde.

Glück! Ich hatte echt verdammt viel Glück, denn wenn ich bei dieser Geschwindigkeit, mit der es mich über den Boden gezogen hat, nur einen der Steinhaufen getroffen hätte, wäre es garantiert nicht so glimpflich abgelaufen. Und, Gott sei dank, wurde der Schirm durch einen grossen Strauch gestoppt, so dass der Horror dann ein Ende hatte. Und, Gotts sei dank, hatte ich beim anschließenden Aufschlag meinen Arm vor der Brust , so das der Stein nicht direkt meine Rippen getroffen hat. Und Gott sei dank, hatte ich einen guten Helm auf, denn die Macken die er jetzt hat, hätte meine Schädeldecke garantiert nicht ausgehalten!

Es war so heftig, das es mein Gutzeug zerrissen hat und auch mein Schirm hat dabei sehr gelitten. Aber, zumindest sind meine Knochen heil geblieben!

Warum schreibe ich das jetzt? Ganz einfach, weil ich kein Problem damit habe über meine eigenen Fehler zu schreiben. Vor allem dann nicht, wenn dies auch andere eventuell ermutigt, sich selbst und ihr handeln einmal selbstkritisch zu hinterfragen. Also ich hinterfrage mich grad jedenfalls, und das tut mir glaube ich ganz gut.

Also, auch Selbstsicherheit kann recht schnell dazu führen, dass man in grenzwertigen Bedingungen schon beim geringsten Fehler ganz schön in die Bredouille kommt. Ein kleiner Verhänger bei kräftigem Wind und eine intuitive, aber in dieser Situation wohl falsche Reaktion, kann ohne Glück schnell böse enden!

Ja, mein erster und grösster Fehler heute war ganz klar meine Selbstsicherheit beim starten! Übermut, Überheblichkeit, Fluggeilheit, Schusseligkeit, Nachlässigkeit, keine Ahnung wie man richtig dazu sagt. Nennt es wie ihr wollt, letztendlich war es mein Fehler! Vielleicht war auch meine, auf Grund des Alters, verlangsamte Reaktion mit eine Ursache. Mag sein. Fakt ist, es war einzig und allein mein Verschulden.

Denn ich hätte einfach nur ein paar Meter runter gehen müssen, wo weniger Wind anlag. oder nochmals schauen müssen, das meine Ohren auch wirklich frei sind. Aber nein, ich war mir absolut sicher dass ich kein Problem beim Start habe und war darum gedanklich schon mit den anderen in der Luft.

So, jetzt habe ihr ein Beispiel, wie schnell es gehen kann.

Ich hab jedenfalls mal wieder etwas lernen dürfen, und zwar wie schnell dir auch deine Selbstsicherheit zum Verhängnis werden kann.

Ja, es ist nochmal gut gegangen, aber nur weil ich Glück hatte.

Göldi, dem immer noch die geprellten Knochen weh tun 😉

Göldi on Tour, Fotos, Texte, Tandemflüge.

Göldi on Tour, Fotos, Texte, Tandemflüge.

Nachtrag

Hey, tut gut von anderen Piloten ein paar aufbauende Worte zu hören und zu lesen, darum hier mal ein DANKE an alle die mich kontaktiert haben.

Tja, schon ein paar Tagen sitze ich jetzt hier bei Sturm und Gruselwetter im Wohnmobil und lecke meine Wunden.

Unglaublich was da auf einmal alles in meinem Hirn rum rattert.

Für die Prellungen gibt’s ja ThermaCare und Voltaren, von denen ich zum Glück genug dabei habe. Gegen die Gedanken allerdings …

Ich versuche mir grad einzureden dass es gut war, dass es passiert ist. Als Warnung, oder als präventive Maßnahme des Schicksals um zukünftig schlimmeres zu verhindern. Und mittlerweile glaube ich sogar daran, je öfter mir die Bilder der Situation wieder vor Augen kommen.

Denn dass es auch am Ego, an der Selbstsicherheit kratzt, ist ja logisch und wie ich grade feststelle auch wichtig.

Muss wohl mal etwas runterschrauben und solch “etwas kernige” Bedingungen werde ich wohl besser erstmal meiden und mich ein wenig mehr auf’s „Schönwetter“ fliegen fokussieren. Denn meine Reaktionen scheinen dafür mittlerweile wohl nicht mehr wirklich auszureichen. Stellt zumindest mein Kopf momentan in Frage 😉

Ihr seht, mein Hirn rattert immer noch ununterbrochen. Aber, ich bin heil froh, dass es noch rattert!

 

8 Kommentare zu “Wenn dir deine Selbstsicherheit zum Verhängnis wird!

    • Finde ich absolut gut dass du dir über deinen eigenen Fehler Gedanken machst!Ist mir vor 2 Jahren auf Lanzarote auch passiert und seitdem pass ich eben noch mehr auf!!LG Matthias

      Liken

  1. Danke für deinen offenen Bericht, ich kenne das auch. Und auch für deinen mahnenden Bericht davor, es war mir (bzw. uns, wir sind zu zweit unterwegs) auch noch mal eine gute Anregung auf meiner aktuellen Reise durch Costa Rica, …wir haben keinen Flug gemacht ohne uns vorher einheimischen Locals anzuvertrauen….haben damit beste Erfahrungen gemacht…ansonsten eben keinen Flug.! Alleine in den Wipfeln eines Urwaldes zu hängen in Unkenntnis tropischer Wetterverhältnisse wäre auch wahrlich nicht sehr prall. Zudem die Startplätze eh in Privatbesitz sind und manchmal auch nur an bestimmten Tagen überhaupt geöffnet. Ansonsten ein wunderbares Land zum Entdecken mit fantastischer Natur , …wo man (auch) fliegen kann. Danke Göldi!

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  2. Ja Volkmar,
    Ich muss Dir in dieser Sache beipflichten, habe dieses Jahr selbst eine schmerzhafte Erfahrung machen müssen.
    Falsche Entscheidung , bei viel zu böigem Wind zu starten,
    Wobei der Start und Flug normal verliefen, beim Landeanflug dann aber von einer heftigen Böe von Hinten erwischt, ( Stöhmungsabriß ) lag ich plötzlich auf dem Rücken.
    Was soll ich sagen, das Ergebnis, einen Hubschrauber Flug ins Krankenhaus.
    Glück im Unglück, ein gebrochener Lendenwirbel, der nach ca. 8 Wochen wieder verheilt war.
    Habe daraus einiges gelernt, wieder mehrere Flüge hinter mir, bei regulären Bedingungen.
    Soviel zu Jahrelanger Flugerfahrung ohne nennenswerte Zwischenfälle, oft mit Glück.
    Manfred

    Gefällt 1 Person

  3. Mensch Göldi, dich kann man nicht mehr alleine lassen, na Gott sei Dank ist es noch einmal gut gegangen ! Pass bloß auf dich auf, wir wollen dich nächstes Jahr wieder gesund und munter erleben !

    LG Evi & Jörg

    Gefällt 1 Person

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